Kompaktwissen Klavier: Typen, Größen & Marken
Diese Seite bietet einen faktenbasierten Überblick über die vier verbreiteten Klaviertypen und bekannte Herstellermarken. Die Informationen sind bewusst neutral gehalten und helfen bei der Orientierung beim Kauf oder Verkauf eines Instruments.
Klaviertypen im Vergleich
Die vier verbreiteten Typen unterscheiden sich grundlegend in Mechanik, Klangerzeugung und Einsatzzweck.
| Typ | Mechanik | Saiten | Typischer Preisbereich | Einsatzbereich |
|---|---|---|---|---|
| Flügel | Horizontale Hammermechanik | Ja | € 3.000 – € 200.000+ | Konzert, Vorspiel, anspruchsvolles Spiel zu Hause |
| Klavier | Vertikale Hammermechanik | Ja | € 500 – € 25.000+ | Privates Üben, Unterricht, kleinere Bühnen |
| Digitalpiano | Gewichtete Tastatursimulation | Nein | € 300 – € 5.000 | Wohnung, Einsteiger, Bühne, Studio |
| Hybridpiano | Akustische Hammermechanik + digitale Klangerzeugung | Nein | € 3.500 – € 12.000+ | Realistisches Spielgefühl ohne Stimmaufwand |
Ergänzende Informationen
- Flügel vs. Klavier: Die horizontale Mechanik des Flügels erlaubt eine schnellere Tastenrepetition als die vertikale Mechanik des Klaviers. Das ist der mechanische Grund, warum Flügel von professionellen Pianisten bevorzugt werden.
- Digitalpiano: Digitalpianos benötigen keine Stimmung, da der Klang aus gesampelten oder modellierten Tönen besteht. Sie eignen sich für Wohnungen und für Spieler, die wenig Wartungsaufwand wünschen.
- Hybridpiano: Hybridpianos kombinieren eine echte akustische Hammermechanik mit digitaler Klangerzeugung über Kopfhörer oder externe Lautsprecher. Das haptische Spielgefühl entspricht dem eines Akustikpianos.
Flügelgrößen
Flügel werden nach ihrer Länge eingeteilt. Längere Instrumente verfügen über längere Saiten, mehr Resonanz und in der Regel über eine besser kontrollierbare und präzisere Mechanik durch längere Tastenhebel.
- Stutzflügel (bis ca. 155–160 cm): Kompaktes Format für den Wohnbereich. Klangvolumen und Tragfähigkeit sind im Vergleich zu größeren Instrumenten begrenzt. Geeignet, wenn der verfügbare Platz der entscheidende Faktor ist.
- Salonflügel (ca. 155–190 cm): Gute Balance zwischen Größe und Klangqualität. Häufige Wahl für private Musikzimmer und ambitionierte Pianisten.
- Halbkonzertflügel (ca. 190–230 cm): Wird häufig in kleineren Konzertsälen und im professionellen Unterricht eingesetzt. Deutlich kräftigerer Bass und präzisere Spielart als bei kleineren Instrumenten.
- Konzertflügel (ab ca. 230 cm): Für den Einsatz in Konzertsälen konzipiert. Bekannte Modelle sind der Steinway Model D (274 cm), der Bösendorfer Imperial (290 cm, 97 Tasten) und der Fazioli F308 (308 cm).
Klavierhöhen
Klaviere werden nach ihrer Bauhöhe eingeteilt. Größere Instrumente verfügen über längere Saiten und einen größeren Resonanzboden, was in der Regel zu einem volleren Klang und größerem dynamischen Spektrum führt.
- Kompaktklavier / Konsolenklavier (ca. 100–110 cm): Platzsparende Instrumente für kleinere Räume oder Unterricht. Der begrenzte Resonanzraum wirkt sich auf Bass und Dynamik aus.
- Mittelklasse-Klavier / Standardklavier (ca. 110–120 cm): Häufigste Bauform für hochwertige Heim- und Unterrichtsinstrumente. Viele Modelle etablierter Hersteller sind in diesem Bereich angesiedelt.
- Großes Klavier / Konzertklavier (ab ca. 120–130 cm): Hochwertige Instrumente mit deutlich erweitertem Klangvolumen und differenzierter Mechanik. Sie nähern sich klanglich einem kleinen Flügel an und werden auch im professionellen Umfeld eingesetzt.
Wichtige Kaufkriterien
Die folgenden Kriterien sollten beim Kauf berücksichtigt werden.
- Tastenmechanik: Bei akustischen Pianos bestimmen die Qualität und der Regulierungszustand der Mechanik die Spielart. Bei Digitalpianos wird ein realistisches Spielgefühl durch gewichtete Tasten mit abgestufter Gewichtung (schwerer im Bass, leichter im Diskant) erreicht. Einsteiger-Digitalpianos verfügen häufig über semi-gewichtete oder ungewichtete Tastaturen, die für eine fortgeschrittene Technikentwicklung nur eingeschränkt geeignet sind.
- Wartungsaufwand: Akustische Pianos sollten in der Regel ein- bis zweimal jährlich gestimmt werden. Regulierung und Intonierung sind je nach Nutzung und Umgebungsbedingungen in größeren Abständen erforderlich. Digitalpianos benötigen keine Stimmung und haben nur einen geringen mechanischen Wartungsaufwand.
- Polyphonie (Digitalpianos): Polyphonie bezeichnet die Anzahl gleichzeitig erklingender Töne. 64 Stimmen gelten als untere Grenze; für anspruchsvolleres Spiel mit Haltepedal, schnellen Tonfolgen und überlagerten Klängen sind 128 bis 256 Stimmen oder mehr sinnvoll. Moderne Instrumente nutzen zudem oft eine intelligente Stimmenverwaltung.
- Klangqualität (Digitalpianos): Hochwertige Digitalpianos verwenden Multi-Layer-Sampling (separate Samples für unterschiedliche Anschlagstärken) sowie physikalische Modellierung für Saitenresonanzen, Mitklang und Dämpferverhalten. Binaurales Sampling – z. B. bei Modellen von Yamaha und Kawai – erzeugt insbesondere beim Spielen mit Kopfhörern einen räumlicheren Klangeindruck.
Bekannte Pianomarken
Die folgende Übersicht listet etablierte Marken nach Segment. Die Segmentzuordnung basiert auf dem typischen Preis- und Qualitätsniveau der Instrumente.
Konzert- und Premiummarken
- Bösendorfer (Österreich, gegr. 1828)
- C. Bechstein (Deutschland, gegr. 1853)
- Fazioli (Italien, gegr. 1981)
- Steinway & Sons (USA / Deutschland, gegr. 1853)
Professionelle Marken
- August Förster (Deutschland, gegr. 1859)
- Blüthner (Deutschland, gegr. 1853)
- Grotrian-Steinweg (Deutschland, gegr. 1835)
- Kawai (Japan, gegr. 1927)
- Sauter (Deutschland, gegr. 1819)
- Schimmel (Deutschland, gegr. 1885)
- Seiler (Deutschland, gegr. 1849)
- Steingraeber & Söhne (Deutschland, gegr. 1852)
- Yamaha (Japan, gegr. 1887)
Digitalpianomarken
- Casio (Japan)
- Kawai (Japan)
- Korg (Japan)
- Roland (Japan)
- Yamaha (Japan)
Digitalpianomarken im Detail
Die folgenden Hersteller bieten eigene Digitalpiano-Serien an. Vertreten sind sowohl traditionelle Klavierhersteller als auch spezialisierte Elektronikunternehmen.
Casio
Casio deckt das Einsteiger- bis mittlere Preissegment mit der Privia PX-Serie (schlank, portabel) und der Celviano AP-Serie (möbelartige Heimpianos) ab. Die Grand Hybrid GP-Serie wurde in Zusammenarbeit mit C. Bechstein entwickelt und verfügt über ein hybrides Mechanikkonzept.
Kawai
Kawai-Digitalpianos sind bekannt für ihre Responsive Hammer Compact (RHC)-, Responsive Hammer III (RHIII)- und Grand Feel (GF)-Mechaniken. Die ES-Serie ist portabel, die KDP- und CN-Serie richten sich an den Heimbereich, und die CA-Serie (Concert Artist) bildet die Premiumklasse. Hochwertige Modelle sampeln den Konzertflügel Shigeru Kawai SK-EX.
Korg
Korg-Digitalpianos umfassen unter anderem die Modelle B2 und B2SP (Einstieg), LP-380 (schlankes Möbeldesign), SV-2 Stage Vintage (für den Bühneneinsatz mit Vintage-Sounds) sowie das C1 Air als stilvolles Heimmodell.
Roland
Roland setzt primär auf die PureAcoustic Piano Modelling-Technologie zur Klangerzeugung, anstatt ausschließlich auf klassisches Sampling zu setzen. Wichtige Produktlinien sind die FP-Serie (portabel), die RP-Serie (Einstieg im Heimbereich) sowie die HP- und LX-Serie (Premium-Heiminstrumente mit erweiterten Lautsprechersystemen).
Yamaha
Die Clavinova CLP-Serie ist auf den Heimbereich ausgerichtet, während die P-Serie und die bühnentaugliche CP-Serie portable Optionen bieten. Hochwertigere Modelle verwenden Samples der Konzertflügel Yamaha CFX und Bösendorfer Imperial. Zum Einsatz kommen unter anderem die Tastaturmechaniken GH (Graded Hammer) und GH3X mit Auslösesimulation.
Diese Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Pianomarkt umfasst zahlreiche weitere Hersteller und Marken.
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